Der Dreh mit dem Tacho

Kilometerstand auslesen: So geht's

Die Zahl ist erschreckend: fast jeder dritte Fahrzeugtacho ist manipuliert - mindestens. Daher ist beim Gebrauchtwagenkauf große Vorsicht geboten. Doch der richtige Kilometerstand lässt sich mitunter auslesen.

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Zurückgedrehte Tachos sind auf dem Gebrauchtwagenmarkt an der Tagesordnung. Dabei spielt es keine Rolle, ob der Gebrauchtwagen von einem Privatmann oder einem noblen Autohaus angeboten wird. „Der Mann mit dem Koffer“, wie er gern in Fachkreisen genannt wird, macht auch Hausbesuche und braucht nur wenige Augenblicke, um jeden gewünschten Kilometerstand auf dem Display erscheinen zu lassen. An der Technik der Tachomanipulation hat sich im Laufe der Jahre einiges geändert: Während vor dreißig Jahren noch eine Bohrmaschine reichte, um einen VW Käfer etwas zu verjüngen, läuft die Manipulation heute fast ausschließlich digital ab. Dadurch wird es immer schwerer, Manipulationen aufzudecken. Was besonders negativ überrascht, ist die Häufigkeit. Laut Berechnungen der Polizei ist an jedem dritten in Deutschland verkauften Gebrauchtwagen der Tacho manipuliert worden – Tendenz steigend. Beim Gebrauchtwagenkauf ist also Vorsicht geboten.

Hinweise auf manipulierten Kilometerstand

Ein Blick auf die Service-Historie des Fahrzeugs kann häufig schon einen ersten Eindruck ermitteln, ob der angezeigte Kilometerstand zum Fahrzeug passt. So kann das Scheckheft mit den letzten Serviceeinträgen häufig schon einen ersten Eindruck vermitteln, ob der Kilometerstand auf dem Tacho plausibel ist. Ist das Scheckheft nicht mehr vorhanden, sollte man sich die Berichte der letzten Hauptuntersuchungen zeigen lassen, auch hier sind die zum Datum der Prüfung passenden Kilometerstände vermerkt. Viele Hersteller speichern die Service-Historie ihrer Wagen in einer Datenbank - so lange der Wagen in einer Vertragswerkstatt gewartet wurde. Mithilfe der Fahrzeugidentifikationsnummer kann man beim Vertragshändler nach der Service-Historie und den dazu passenden Kilometerständen fragen. Ist auch dies nicht möglich, sollte man unter der Haube auf Spurensuche gehen. Findet man hier noch Inspektionszettel, auf denen ein Datum und ein Kilometerstand notiert wurden? Die Alarmglocken sollten in jedem Fall schrillen, wenn Lenkrad, Pedale oder Sitze stärker abgenutzt sind, als dies bei dem angegebenen Kilometerstand zu erwarten ist. Ein durchgesessenes Polster oder ein abgegriffenes Lenkrad zu beseitigen bedeutet häufig viel mehr Zeit- und Geldaufwand als nur einen Kilometerstand zurückdrehen zu lassen.

Einen Kilometerstand auslesen

Mittlerweile gibt es einige Firmen, die nicht nur den Kilometerstand zurückdrehen, sondern auch den echten Kilometerstand auslesen. Zudem gibt es erste Apps, die über eine Schnittstelle die On-Board-Diagnose (OBD) anzapfen und versuchen, den wahren Kilometerstand aus den verschiedenen Orten im Fahrzeug auslesen. Ein entsprechendes Programm für die OBD-Schnittstelle kostet meist zwischen 50 bis 100 Euro. Hat der Vorbesitzer jedoch einen versierten Tachorücksteller beauftragt, wird sich dadurch leider kaum etwas finden lassen. Selbst für Profis kann es hier schwer werden. Trotzdem ist das Auslesen über die OBD-Schnittstelle oder die Beauftragung einer Firma ratsam, um sich vor dem Kauf eines manipulierten Autos zu schützen.

Misstrauisch sein

Sollte sich ein Verkäufer weigern, die letzten Werkstatt- oder Hauptuntersuchungsberichte oder das Serviceheft hervorzuholen, riecht es zumindest faul. Liegen die Unterlagen und die jeweiligen Kilometerstände weder chronologisch noch in irgendeiner anderen Form nachvollziehbar vor, sollte Ihr Misstrauen wachsen. Dann heißt es: Finger weg und weitersuchen. Der richtige Gebrauchte kommt bestimmt.