Bedeutet ein Auffahrunfall immer Schmerzensgeld?

Schmerzensgeld beim Auffahrunfall

Bei Auffahrunfällen scheint die Lage klar: Der Hintermann hat die Schuld. Doch das ist nicht immer so. Alles zum Thema Auffahrunfall Schmerzensgeld!

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Eine alte Autofahrerweisheit lautet: "Wer auffährt, hat Schuld". Das ist allerdings nicht ganz richtig. Es wird lediglich aus der Erfahrung heraus vermutet, dass der Auffahrende etwas falsch gemacht hat, was zum Unfall geführt hat.

Auffahrunfall – nicht immer hat der Auffahrende Schuld

Gehen Polizei und Gericht davon aus, dass es sich um einen gewöhnlichen Unfall gehandelt hat, bei dem der Hintermann eventuell zu dicht aufgefahren ist oder einen Moment unachtsam war, gilt der sogenannte Anscheinsbeweis. Kann der Auffahrende dagegen beweisen, dass es sich eben um keinen typischen Zusammenstoß gehandelt hat, weil der Vorausfahrende ohne Grund plötzlich gebremst oder unvermittelt die Spur gewechselt hat, muss das Gericht klären, wie sich der Unfall ereignet hat. Dazu werden Zeugenaussagen und Gutachten herangezogen. Gerade bei Vollbremsungen aufgrund von Tieren, die vor das Auto gelaufen sind, ist die Lage nicht eindeutig: Bei kleinen Tieren kann dem Vorausfahrenden eine Mitschuld eingeräumt werden, bei großem Wild oder einem Wildschein, ist die Vollbremsung in Ordnung, weil eine Kollision für den Fahrer und die Passagiere gefährlich werden kann.

Schmerzensgeld variiert

Die häufigste Verletzung bei einem Heckaufprall ist das Halswirbelsäulenschleudertrauma (HWS-Distorsion). Für eine einfache Verletzung liegt das Schmerzensgeld bei 500 bis 1000 Euro. Ist der Aufprall stärker und der Unfall hat langwierige Folgen mit einem entsprechenden Verdienstausfall, können daraus schnell ein paar tausend Euro werden.

Bei mehr als zwei involvierten Autos wird die Lage anders

Ausnahmen der Schuldvermutung sind Auffahrunfälle, bei der mehr als zwei Autos beteiligt sind. Denn bei Massenkarambolagen ist der Ablauf beziehungsweise die Schuldfrage komplexer. Übrigens ist auch ein Spurwechsel ohne Blinker eine solche Ausnahme, denn dann wird vermutet, dass der Vorausfahrende beim Fahrbahnwechsel nicht vorsichtig genug gewesen ist.
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